Klicks zu Weihnachten: E-Commerce-Verpackungen in der Vorweihnachtszeit

Weihnachten steht vor der Tür! Isabel Rocher, Head of E-Commerce bei DS Smith, erklärt, wie die Verpackungsindustrie den Herausforderungen durch die Revolution des Online-Handels begegnet.

Wenn ich mich recht entsinne, habe ich mein erstes Produkt von einem (mittlerweile nicht mehr existierenden) Online-Händler in den späten 1990ern gekauft. Man sprach damals von einer Revolution. Doch erst in den letzten Jahren sehen wir, dass Online-Shopping seinem Ruf als Megatrend gerecht und zur Normalität wird. 2016 gab es bei der Zahl der Online-Shopper einen enormen Anstieg. Laut ONS stieg der für Online-Käufe ausgegebene Geldbetrag im September 2016 um 22 % im Vergleich zum September 2015.

Der Trend hin zu einer Welt, in der Online-Handel die normale Einkaufsform ist, setzt sich fort, und die Veränderungen, die dies mit sich bringt, nehmen an Fahrt auf. Das vergangene Jahr brachte eine Vielfalt an technologischen Verbesserungen und Weiterentwicklungen, die nahelegen, dass wir eine Art Wendepunkt erreicht haben und es nicht mehr lange dauern wird, bis Ideen, die früher noch utopisch waren, für Millionen von Konsumenten alltägliche Realität werden.

Viele von uns in der Verpackungsindustrie sind daran gewöhnt, der technologischen Entwicklungskurve immer einen Schritt voraus zu sein. Die Lieferkette im E-Commerce stellt uns jedoch vor völlig andere Herausforderungen als konventionelle Handelskanäle.

Man darf ohne zu übertreiben feststellen, dass Entwicklungstrends im E-Commerce mehr sind, als nur sich ändernde Liefermethoden. Wir müssen auch eine fundamentale Veränderung in den Erwartungen und Anforderungen der Konsumenten zur Kenntnis nehmen, die mindestens ebenso bedeutsam ist, wie das Aufkommen der Supermärkte.

Widerstandsfähigkeit und Flexibilität

Im Lieferzyklus des Online-Handels gibt es bis zu 50 Berührungspunkte, also 50 verschiedene Punkte, an denen ein Paket von einer Maschine oder einer Person abgefertigt wird, und das Entscheidende ist, dass an jedem dieser Punkte spezielle, einzigartige Risiken entstehen können. Ob in Situationen, in denen ein Paket mehrmals an ein Depot zurückgesendet wird, weil es nicht zugestellt werden konnte, oder bei den eher futuristisch anmutenden Herausforderungen im Zusammenhang mit einer Lieferung per Drohne (wie es DHL bereits mit medizinischen Produkten macht) – die Verpackung muss strukturstabil und wandlungsfähiger denn je sein.

Wir bei DS Smith haben in eine einzigartige Testeinrichtung investiert, in der wir die im E-Commerce-Lieferkreislauf auftretenden Gegebenheiten und Anforderungen nachvollziehen, bis wir sicher sein können, dass eine Verpackung die nötigen Eigenschaften besitzt, um die Produkte unserer Kunden zuverlässig zu schützen, egal wie die Beförderung aussieht und wie lange das Paket vom Lieferanten zum Kunden unterwegs ist.

Soweit die Funktionsfähigkeit einer Verpackung. Aber wie sieht es mit der Anpassungsfähigkeit aus? Die „letzten Kilometer“ und was sie für Lieferanten und Konsumenten bedeutet, waren und sind Gegenstand ausführlicher Diskussionen. Es wurden schon sehr viele innovative Ideen ausprobiert und es kommen ständig neue nach. „Click and Collect“ ist momentan am meisten verbreitet, denn online zu bestellen und selbst im Laden abzuholen ist im Augenblick sehr beliebt. Doch immer mehr Einzelhändler verlangen eine Gebühr für diesen Service, und ich glaube, dass es langsam an der Zeit ist, nach neuen Möglichkeiten zu suchen.  Mit einigem Erfolg wurden Abholfächer an U-Bahn-Stationen rund um London ausprobiert und Autohersteller experimentieren seit neustem mit einem Schließsystem, das per Smartphone-App Lieferungen direkt in den Kofferraum von Konsumenten möglich macht. Selbst Unternehmen wie Uber wurden schon in Betracht gezogen, eine signifikante Rolle bei Lieferungen auf den „letzten Kilometern“ zu spielen. Fahrgäste müssten sich dann mit dem Gedanken vertraut machen, ihr Taxi mit den Online-Einkäufen anderen Konsumenten zu teilen.

Die Herausforderung für Innovationen betrifft genau diese „letzten Kilometer"; und für diejenigen von uns, die in der Verpackungsbranche tätig sind, muss das Ziel darin liegen, Produkte zu entwickeln, die die Anforderungen der Lieferkette, des Einzelhandels und des Käufers erfüllen und gleichzeitig kosteneffizient bleiben.

Kauferlebnis zu Hause

Eine weitere Herausforderung des Online-Handels besteht darin, dass ein Paket, das beim Kunden ankommt, viele der Funktionen erfüllen muss, die früher im Laden stattfanden. Ein Produkt, das im Laden ins Aufge fällt, muss diesen Wow-Effekt auch haben, wenn es in einem Paket zu Hause ankommt, ohne Ladensumgebung und ohne Verkäufer  – die Verpackung muss nach dem Kauf auch dazu beitragen, den Käufer für das Produkt zu begeistern. Mit anderen Worten, das Öffnen eines Pakets soll zum besonderen Ereignis werden, einem Moment, in dem der Kunde das Kribbeln eines tollen Einkaufs im Bauch spürt. Es ist sicherlich nicht förderlich, ihn mit herumfliegenden Polystyrolflocken zu beglücken, seine manuelle Geschicklichkeit auszureizen oder seinen Einfallsreichtum beim Öffnen der Verpackung zu testen.

Umweltbilanz

Wir bemühen uns außerdem intensiv darum, die Umweltauswirkungen all unserer Verpackungsprodukte zu reduzieren. Zu den häufigsten Beschwerden, die Konsumenten an Online-Händler richten, gehört die übermäßige Verwendung von Verpackungsmaterial.

Wir wissen, dass in diesem Bereich noch weitere Verbesserungen notwendig sind. Wenn man jedoch die Bandbreite der von Online-Händlern angebotenen Produkte und damit die fast unendliche Anzahl an Kombinationen aus Produkten, die zusammen gekauft und versendet werden, betrachtet, können Sie vielleicht verstehen, warum die Lösung dieses Problems für die Verpackungsbranche eine große Herausforderung bedeutet. Wir müssen als Branche zusammenarbeiten, um diese Herausforderung zu bewältigen, und wir müssen weiter an Innovationen arbeiten und Verpackungslösungen erstellen, die im Hinblick auf die Raumnutzung äußerst effizient sind, auch wenn mehrere unterschiedliche Dinge zusammen geliefert werden.

Online-Handel akzeptieren

Die Revolution des Online-Handels wird durch Einfachheit und Bequemlichkeit angetrieben und durch eine Generation von Käufern, für die die Nutzung von vernetzten Geräten für die Bestellung von Produkten nicht nur eine bevorzugte, sondern eine instinktive Handlung ist. Das Paradoxe an dieser Situation ist: Je einfacher das Einkaufserlebnis für den Kunden wird, desto komplexer und vielfältiger werden die Anforderungen für alle am Lieferzyklus beteiligten Parteien. In der Vorweihnachtszeit, wenn die Zahl der Online-Käufe und der an Haushalte und Büros gesendeten Pakete deutlich zunimmt, addieren sich diese komplexen Anforderungen.

Im Zeitalter des E-Commerce muss Verpackung Dinge leisten, die Verpackungsproduzenten bei meinem ersten Online-Einkauf in den späten 1990ern noch gar nicht auf dem Schirm hatten. Doch dies ist eine Herausforderung, der wir uns gerne stellen und die dafür sorgt, dass wir jeden Tag voller Elan an die Arbeit gehen.